Der Erbschein


  • Erbschein - Was ist das überhaupt?

    Der Erbschein ist ein Zeugnis, das das Nachlassgericht dem Erben auf seinen Antrag hin über dessen Erbrecht erteilt (§ 2353 BGB).

    In dem Erbschein sind dabei nicht nur die Erbquoten vermerkt, sondern auch etwaige Besonderheiten wie eine Vor- und Nacherbfolge oder eine Testamentsvollstreckung, nicht jedoch Vermächtnisse oder Auflagen.

    Der Erbe erhält eine Ausfertigung des Erbscheins und kann sich mit dieser im Rechtsverkehr, also zum Beispiel gegenüber Banken, als Erbe ausweisen.


  • Welche Arten von Erbscheinen gibt es?

    Man unterscheidet verschiedene Arten von Erbscheinen:

    Alleinerbschein

    Der "normale" Erbschein, der bei nur einem einzigen Erben erteilt wird.

    Gemeinschaftlicher Erbschein

    Dieser wird bei mehreren Erben auf Antrag auch nur eines der Erben erteilt und weist alle Miterben aus.

    Teilerbschein

    Dieser weist die Größe des Erbteils (Bruchteil) eines Miterben aus.

    Hoffolgezeugnis

    Ein Hoffolgezeugnis ist praktisch ein Erbschein für einen Hof, in welchem der Hoferbe gesondert ausgewiesen wird. Das Hoffolgezeugnis wird vom Landwirtschaftsgericht erteilt.

    Auseinandersetzungszeugnis

    Ein Antrag auf Erteilung eines Auseinandersetzungszeugnisses nach § 36 GBO kommt in Betracht, wenn der Nachlass nur (noch) aus Grundbesitz besteht.

    Der Antrag kann allerdings nur im Zusammenhang mit einem Auseinandersetzungsvertrag zwischen den Miterben beantragt werden.


  • Braucht man einen Erbschein?

    Das kommt darauf an.

    Wenn ein - eindeutiges - notarielles Testament oder ein notarieller Erbvertrag des Verstorbenen existieren, reicht es zum Beispiel Banken oftmals aus, wenn ihnen das Testament bzw. den Erbvertrag nebst dem Eröffnungsprotokoll vorgelegt werden. Auch Grundbesitz des Erblassers kann in diesem Fall vom Grundbuchamt ohne einen Erbschein auf den bzw. die Erben umgeschrieben werden.

    Gibt es lediglich ein privatschriftliches Testament oder gar keins, so ist für eine Berichtigung des Grundbuches auf den bzw. die Erben ein Erbschein zwingend erforderlich. Ebenso werden Banken, Versicherungen etc. in aller Regel die Vorlage eines Erbscheins verlangen.


    Ein Erbschein genießt darüber hinaus öffentlichen Glauben (§§ 2365, 2366 BGB): Von einem Erbschein wird kraft Gesetzes vermutet, dass die in diesem enthaltenen Angaben richtig sind, also dem ausgewiesenen Erben das angegebene Erbrecht zusteht und er nicht durch andere als die angegebenen Anordnungen beschränkt ist.

    Wer demnach von dem Erben in Ansehung des Erbscheins einen Gegenstand aus dem Nachlass kauft, kann auf die Richtigkeit des Erbscheins vertrauen und gutgläubig Eigentum an dem Gegenstand erwerben, selbst wenn sich nachträglich herausstellen sollte, dass der Erbschein falsch und der Verkäufer gar kein Erbe war.


  • Wer kann einen Erbschein beantragen?

    Folgende Personen sind unter anderem berechtigt, einen Erbschein zu beantragen:

    der Erbe, der Miterbe, der Vorerbe, der Nacherbe nach Eintritt des Nacherbfalls, der Erbe eines Erben, der gesetzliche Vertreter eines Erben, der Testamentsvollstrecker, der Nachlassverwalter, unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Nachlass- oder ein Erbengläubiger.

    Keine Berechtigung haben Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigte.


  • Wo beantragt man den Erbschein?

    Der Antrag auf Erteilung eines Erbscheins kann entweder von einem Notar aufgenommen werden, der diesen an das Nachlassgericht weiterleitet oder der Antrag wird vom Erben direkt bei dem Nachlassgericht gestellt.

    Dieses Nachlassgericht ist eine Abteilung des Amtsgerichts. Örtlich zuständig ist dasjenige Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser seinen Wohnsitz zum Zeitpunkt des Erbfalles hatte.

    Hatte der Erblasser (auch früher) keinen ermittelbaren Wohnsitz oder lebte er im Ausland, ist das Amtsgericht Berlin-Schöneberg zuständig.


  • Welchen Inhalt hat der Erbscheinsantrag?

    In dem Antrag ist zunächst anzugeben, ob das Erbrecht aufgrund gesetzlicher Erbfolge oder aufgrund einer Verfügung von Todes wegen (z.B. Testament) beansprucht wird.

    Bei mehreren Erben sind zudem die Bruchteile der einzelnen Miterben anzugeben, wobei bei unklaren Verfügungen von Todes wegen Haupt- und Hilfsanträge zu stellen sind.

    Ferner sind folgende Angaben notwendig:

    • der Todeszeitpunkt des Erblassers nebst dessen persönlicher Daten einschließlich letztem Wohnsitz,
    • ob ein Rechtsstreit über den Nachlass anhängig ist,
    • ob eine Person weggefallen ist, durch die der Erbe ausgeschlossen oder sein Erbteil gemindert wäre und, wenn ja, der Grund des Wegfalls (häufig also der Umstand, dass eine Person, die vorrangig erbberechtigt oder miterbberechtigt wäre, bereits vorverstorben ist).

    Bei der Beantragung eines Erbscheins aufgrund gesetzlicher Erbfolge zusätzlich:

    • die Angabe, dass die Erben (bei gemeinschaftlichen Erbscheinen: alle Miterben) die Erbschaft angenommen haben,
    • das genaue Verwandtschafts- und Erbverhältnis (aller Miterben).

    Bei Beantragung eines Erbscheins aufgrund gewillkürter Erbfolge (z.B. Testament) stattdessen zusätzlich:

    • die genaue Bezeichnung der letztwilligen Verfügung (Testament o.ä.),
    • ob und welche sonstigen letztwilligen Verfügungen vorhanden sind.

  • Welche Unterlagen werden benötigt?

    Im Prinzip müssen alle vorstehenden Angaben durch Urkunden nachgewiesen werden. Zu solchen Urkunden zählen insbesondere Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden.

    Sind Urkunden überhaupt nicht oder nur unter ganz unverhältnismäßigen Schwierigkeiten zu beschaffen, können diese im Einzelfall durch eine Eidesstattliche Versicherung des Antragstellers ersetzt werden.

    Eine solche eidesstattliche Versicherung reicht auch zum Nachweis dafür, dass der Ehegatte des Verstorbenen mit diesem im gesetzlichen Güterstand gelebt hat (andere Güterstände sind durch Vorlage des Ehevertrages nachzuweisen).

    Darüber hinaus hat der Antragsteller vor dem Notar oder dem Gericht persönlich an Eides statt zu versichern, dass die von ihm im Erbscheinsantrag gemachten Angaben richtig sind.


  • Was kostet der Erbschein?

    Die Kosten des Erbscheins richten sich nach dem Netto-Wert des Nachlasses (also abzüglich der Nachlassverbindlichkeiten) zum Todeszeitpunkt.

    Beantragt ein Miterbe nur einen Erbschein über sein Erbteil, so bestimmt sich der Wert nur nach diesem Erbteil.

    Wird der Erbschein nur mit Wirkung für einen Teil des Nachlasses beantragt, so bestimmt sich der Wert auch nur nach diesem Teil; Nachlassverbindlichkeiten werden in diesem Falll aber nicht abgezogen.

    Ausgehend von dem so ermittelten Wert entstehen folgende Notargebühren:


    NachlassNotarkosten
    50.000 Euro165 Euro
    100.000 Euro273 Euro
    200.000 Euro435 Euro
    500.000 Euro935 Euro

    Schreibauslagen, Portokosten etc. je nach Aufwand sowie die gesetzliche Umsatzsteuer auf die Notarkosten kommen hinzu, ferner die Kosten des Nachlassgerichts.

    Zudem können zusätzliche Gebühren entstehen, zum Beispiel dann, wenn der Notar Personenstandsurkunden besorgen soll.





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