Schönheitsreparaturen und Mietvertrag


Einleitung

In § 535 BGB ist geregelt: Der Vermieter hat die Mietsache dem Mieter in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten.

Gemäß § 538 BGB hat zudem der Mieter Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch herbeigeführt werden, (...) nicht zu vertreten.

Das Gesetz sieht damit vor, dass der Vermieter während des Mietverhältnisses auch die Schönheitsreparaturen vorzunehmen hat und nicht der Mieter.

Es ist allerdings vollkommen üblich - und gesetzlich zulässig -, dass dem Mieter die Pflicht zur Vornahme der Schönheitsreparaturen im Mietvertrag auferlegt wird.

Wenn aber die Klausel(n) in einem Formularmietvertrag, mit der bzw. denen dem Mieter die Schönheitsreparaturen aufgebürdet werden, unwirksam sind, muss der Mieter keinerlei Schönheitsreparaturen durchführen, denn in diesem Fall gilt wieder die oben genannte gesetzliche Regelung.

Nachfolgend werden einige neuere Urteile des Bundesgerichtshofes dargestellt.




In dem Mietvertragsformular war vereinbart:

Der Mieter ist verpflichtet, die während des Mietverhältnisses anfallenden Schönheitsreparaturen auf eigene Kosten durchzuführen.

Die Schönheitsreparaturen sind fachgerecht und wie folgt auszuführen: Tapezieren, Anstreichen der Wände und Decken, das Streichen der Fußböden, der Heizkörper einschließlich der Heizrohre, der Innentüren sowie der Fenster und Außentüren von innen. (...)


und


Im Allgemeinen werden Schönheitsreparaturen in den Mieträumen in folgenden Zeitabständen erforderlich:
in Küchen, Bädern und Duschen alle 3 Jahre,
in Wohn- und Schlafräumen, Fluren und Toiletten alle 5 Jahre,
in anderen Nebenräumen alle 7 Jahre.(...)


Unter Aufgabe seiner bisherigen Rechtsprechung hat der BGH folgendes entschieden:

Wurde dem Mieter die Wohnung zu Beginn des Mietverhältnisses unrenoviert oder renovierungsbedürftig übergeben und diesem hierfür kein angemessener Ausglich gewährt, so ist die oben genannte Klausel unwirksam, da sie bei kundenfeindlichster Auslegung den Mieter dazu verpflichtet, die Wohnung vorzeitig zu renovieren oder gegebenenfalls in einem besseren Zustand zurückzugeben, als er sie selbst vom Vermieter erhalten hat.


Folglich stellen sich in jedem Einzelfall zwei Fragen:


Wurde die Wohnung zu Beginn des Mietverhältnisses unrenoviert oder renovierungsbedürftig übergeben?

Maßgeblich ist laut BGH, ob die dem Mieter überlassene Wohnung Gebrauchsspuren aus einem vorvertraglichen Zeitraum aufweist. Auf eine Abgrenzung zwischen einer nicht renovierten und einer renovierungsbedürftigen Wohnung kommt es dabei nicht an, weil beide Begriffe Mieträume mit Gebrauchsspuren beschreiben und die Grenze fließend ist.

Für eine "renovierte" Wohnung muss der Vermieter die Mieträume bei Vertragsbeginn aber nicht vollständig frisch renoviert haben.

Im Einzelfall kann die Vornahme geringer Auffrischungsarbeiten genügen. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben bleiben zudem Abnutzungs- und Gebrauchsspuren außer Acht, die so unerheblich sind, dass sie bei lebensnaher Betrachtung nicht ins Gewicht fallen.

Es kommt letztlich darauf an, ob die überlassenen Mieträume den Gesamteindruck einer renovierten Wohnung vermitteln.


Dafür, dass die Mietwohnung zu Beginn des Mietverhältnisses unrenoviert bzw. renovierungsbedürftig war, ist im Streitfalle der Mieter darlegungs- und beweispflichtig!


Wurde dem Mieter für die Verpflichtung zur Beseitigung vorvertraglicher Gebrauchsspuren ein angemessener Ausgleich gewährt, durch den der Mieter so gestellt wurde, als sei ihm renovierter Wohnraum überlassen worden?

Dies kann zum Beispiel dadurch erfolgen, dass der Mieter für eine bestimmte Zeit gar keinen oder einen geringeren Mietzins zu zahlen hat.


Die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass ein angemessener Ausgleich gewährt wurde, trägt der Vermieter!



Wurde dem Mieter kein oder kein angemessener Ausgleich gewährt, ist die eingangs genannte Klausel unwirksam mit der Folge, dass der Vermieter selbst die Schönheitsreparaturen durchzuführen hat.

Die Entscheidung des BGH:

Die Pflicht zur Vornahme von Schönheitsreparaturen ist, soweit sie dem Mieter im Mietvertrag auferlegt ist, eine einheitliche, nicht in Einzelmaßnahmen aufspaltbare Rechtspflicht mit der Folge, dass die Unwirksamkeit der einen Einzelaspekt dieser einheitlichen Rechtspflicht betreffenden Formularbestimmung in der gebotenen Gesamtschau der Regelung zur Unwirksamkeit der gesamten Vornahmeklausel führt.

Dies gilt auch, wenn die inhaltliche Ausgestaltung der einheitlichen Rechtspflicht in verschiedenen, sprachlich voneinander unabhängigen Klauseln des Mietvertrags geregelt ist.


In den Entscheidungsgründen führt der BGH aus:

Folgende Klausel ist für sich genommen wirksam:

Da in der Miete hierfür keine Kosten kalkuliert sind, ist der Mieter verpflichtet, die Schönheitsreparaturen in Bezug auf das Lackieren der Fenster und der Wohnungseingangstüre von Innen, der Wohnungstüren sowie der Heizkörper einschließlich der Heizrohre alle 5 Jahre, jeweils gerechnet vom Beginn des Mietverhältnisses (bzw. soweit Schönheitsreparaturen nach diesem Zeitpunkt vom Mieter fachgerecht durchgeführt wurden, von diesem Zeitpunkt an), fachgerecht durchzuführen, es sei denn, sie sind nicht erforderlich, da keine Lackabplatzungen, kein Nachdunkeln etc. vorhanden sind. Dieselbe Durchführungsverpflichtung und Ausführungsfrist gilt für das Schamponieren von Teppichen.


Der Mietvertrag enthielt jedoch noch eine weitere Klausel:

Da in der Miete hierfür keine Kosten kalkuliert sind, ist der Mieter verpflichtet, die Schönheitsreparaturen hinsichtlich der Malerarbeiten an Wänden und Decken, in Küche, Bad und Duschräumen alle 3 Jahre, in Wohn- und Schlafzimmern, Flur, Dielen und Toiletten alle 5 Jahre sowie in sonstigen Räumen alle 7 Jahre, jeweils gerechnet vom Beginn des Mietverhältnisses (bzw. soweit Schönheitsreparaturen nach diesem Zeitpunkt vom Mieter fachgerecht durchgeführt wurden, von diesem Zeitpunkt an), fachgerecht auszuführen.


Im Gegensatz zu der ersteren Klausel ("es sei denn...") enthält diese zweite Klausel eine sogenannte starre Fristenregelung und ist damit unwirksam.

In Fortführung seiner bisherigen Rechtsprechung urteilt der BGH: Die Pflicht zur Vornahme von Schönheitsreparaturen ist, soweit sie dem Mieter im Mietvertrag auferlegt ist, eine einheitliche, nicht in Einzelmaßnahmen aufspaltbare Rechtspflicht mit der Folge, dass die Unwirksamkeit der einen Einzelaspekt dieser einheitlichen Pflicht betreffenden Bestimmung in der gebotenen Gesamtschau der Regelung zur Unwirksamkeit der gesamten Vornahmeklausel führt.

Ein Wohnraummietvertrag enthielt folgende Regelungen zu Schönheitsreparaturen:

§ 8 Schönheitsreparaturen


1. Der Mieter verpflichtet sich, Schönheitsreparaturen nach Maßgabe von Ziffer 2 und 3 durchzuführen. Schönheitsreparaturen umfassen das Anstreichen, Kalken oder Tapezieren der Wände und Decken, das Streichen der Fußböden und den Innenanstrich der Fenster, das Streichen der Türen, Heizkörper, Versorgungsleitungen sowie sämtliche anderen Anstriche innerhalb der gemieteten Räume einschließlich derjenigen an Einbaumöbeln.


2. Die Schönheitsreparaturen sind fachgerecht, dem Zweck und der Art der Mieträume entsprechend regelmäßig auszuführen, wenn das Aussehen der Wohnräume mehr als nur unerheblich durch den Gebrauch beeinträchtigt ist. Dies ist im Allgemeinen nach folgenden Zeitabständen der Fall: in Küche, Bädern und Duschen alle 3 Jahre, in Wohn- und Schlafräumen, Fluren, Dielen und Toiletten alle 5 Jahre, in allen anderen Nebenräumen alle 7 Jahre. Die Erneuerung der Anstriche von Fenstern, Türen, Heizkörpern, Versorgungsleitungen und an Einbaumöbeln ist regelmäßig nach 6 Jahren erforderlich, wenn das Aussehen mehr als nur unerheblich durch den Gebrauch beeinträchtigt ist.


3. Abgeltung bei Auszug (Quotenklausel):
Sind bei Beendigung des Mietverhältnisses einzelne oder sämtliche Schönheitsreparaturen noch nicht fällig, so hat der Mieter die zu erwartenden Kosten zeitanteilig an den Vermieter im Allgemeinen nach folgender Maßgabe (Quote) zu bezahlen: Liegen die letzten Schönheitsreparaturen gerechnet ab Übergabe der Mietsache während der Mietzeit bei den Nassräumen (Küchen, Bädern und Duschen) länger als ein Jahr zurück, so zahlt der Mieter 33,33 % der Kosten; liegen sie länger als 2 Jahre zurück 66,66 %. Liegen die letzten Schönheitsreparaturen während der Mietzeit bei den Wohn- und Schlafräumen, Fluren, Dielen und Toiletten länger als ein Jahr zurück, so zahlt der Mieter 20 % der Kosten, liegen sie länger als 2 Jahre zurück 40 %, länger als 3 Jahre 60 %, länger als 4 Jahre 80 %. Liegen die letzten Schönheitsreparaturen während der Mietzeit bei allen anderen Nebenräumen länger als ein Jahr zurück, so zahlt der Mieter 14,28 % der Kosten, liegen sie länger als 2 Jahre zurück 28,56 %, bei mehr als 3 Jahren 42,84 %, bei mehr als 4 Jahren 57,12 %, bei mehr als 5 Jahren 71,40 %, und bei mehr als 6 Jahren 85,68 %. Liegen die letzten Schönheitsreparaturen während der Mietzeit für Fenster, Türen, Heizkörper, Versorgungsleitungen und an Einbaumöbeln länger als ein Jahr zurück, so zahlt der Mieter 16,66 % der Kosten, nach 2 Jahren 33,33 %, nach 3 Jahren 50 %, nach 4 Jahren 66,66 %, nach 5 Jahren 83,33 %.

Dem Mieter bleibt es unbenommen nachzuweisen, wann und in welchem Umfang die Wohnung zuletzt renoviert wurde und dass der Zustand der Wohnung eine Verlängerung der oben genannten Fristen zulässt. Führt der Mieter diesen Nachweis, so hat der Vermieter die Quote nach billigem Ermessen angemessen zu senken.

Die Berechnung erfolgt aufgrund eines Kostenvoranschlags eines vom Vermieter auszuwählenden Malerfachbetriebs. Dem Mieter bleibt es unbenommen, den Kostenvoranschlag des Vermieters anzuzweifeln, indem er den Kostenvoranschlag eines anderen Malerfachbetriebs beibringt.

Der Mieter hat die Möglichkeit, selbst zu renovieren und seine Zahlungspflicht abzuwenden. Die Schönheitsreparaturen müssen fachgerecht in mittlerer Art und Güte ausgeführt werden. Ist der Mieter einer entsprechenden Aufforderung mit Fristsetzung nicht oder nur unzureichend nachgekommen, so hat er die entsprechende Quote gemäß Kostenvoranschlag zu zahlen.


4. Die Fristen gemäß Ziffer 2 und 3 beginnen ab Übergabe der Mietsache zu laufen. Sie beginnen für die einzelnen Räume nach fachgerechter Erledigung der Arbeiten jeweils wieder neu. Der Mieter kann nachweisen, dass die Mietsache nach Ablauf der genannten Fristen noch nicht renovierungsbedürftig ist.



Zur Klausel in § 8 Ziffer 2 urteilte der BGH:

Bei einer an den Mieter zu Beginn des Mietverhältnisses renoviert übergebenen Wohnung ist diese Klausel wirksam.

Wurde die Wohnung - wie im hier entschiedenen Fall - allerdings unrenoviert übergeben, so ist die Klausel unwirksam. Der BGH verweist insoweit auf sein am gleichen Tage ergangenes Urteil zu Az.: VIII ZR 185/14.


Zu der Quotenabgeltungsklausel in § 8 Ziffern 3. und 4. führte der BGH aus:

Quotenabgeltungsklauseln, die dem Mieter einer Wohnung einen Teil der zukünftig entstehenden Kosten für Schönheitsreparaturen für den Fall auferlegen, dass das Mietverhältnis vor Fälligkeit der ihm durch eine weitere Formularbestimmung übertragenen Verpflichtung zur Vornahme von Schönheitsreparaturen endet, benachteiligen den Mieter nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unangemessen und sind daher unwirksam, weil sie von ihm verlangen, zur Ermittlung der auf ihn bei Vertragsbeendigung zukommenden Kostenbelastung mehrere hypothetische Betrachtungen anzustellen, die eine sichere Einschätzung der tatsächlichen Kostenbelastung nicht zulassen.

Dies gilt unabhängig davon, ob die Wohnung dem Mieter zu Beginn des Mietverhältnisses renoviert oder unrenoviert übergeben wurde.

Die Entscheidung des BGH:

Eine formularmäßige Klausel in einem Wohnraummietvertrag, die den Mieter verpflichtet, sich anteilig an den Kosten zum Zeitpunkt der Beendigung des Mietverhältnisses noch nicht fälliger Schönheitsreparaturen zu beteiligen (Quotenabgeltungsklausel), und zur Berechnung der Abgeltungsbeträge folgende Regelung vorsieht:

"Berechnungsgrundlage ist der Kostenvoranschlag eines vom Vermieter auszuwählenden Malerfachgeschäfts,"

ist gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirksam.


In den Entscheidungsgründen führt der BGH aus:

Zweck einer Quotenabgeltungsklausel ist, dem Vermieter, der von dem ausziehenden Mieter mangels Fälligkeit der Schönheitsreparaturen nach dem Fristenplan keine Endrenovierung verlangen kann, wenigstens einen prozentualen Anteil an Renovierungskosten für den Abnutzungszeitraum seit den letzten Schönheitsreparaturen während der Mietzeit zu sichern.

Grundsätzlich ist die Vereinbarung einer Quotenabgeltungsklausel in einem Wohnraummietvertrag zulässig.

Die eingangs genannte Klausel lässt in ihrer kundenfeindlichsten Auslegung allerdings die Deutung zu, dass dem Kostenvoranschlag des vom Vermieter ausgewählten Malerfachgeschäfts bindende Wirkung für die Bemessung der Abgeltungsquoten zukommt, also dem Mieter die Möglichkeit abgeschnitten ist, Einwendungen gegen dessen Richtigkeit und Angemessenheit zu erheben oder gar auf eine Berechnung nach Maßgabe eines von ihm eingeholten günstigeren Kostenvoranschlags zu dringen.

Damit werden die Rechte des Mieters aber unangemessen beschnitten, was zur Unwirksamkeit der Klausel führt.


Aufgabe älterer Rechtsprechung

Der BGH hat mit diesem Urteil ausdrücklich seine frühere Rechtsprechung (Rechtsentscheid vom 06.07.1988, Az.: VIII ARZ 1/88; Urteil vom 06.10.2004, Az.: VIII ZR 215/03) aufgegeben.





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